HELVETIA CATHOLICA

Die katholische Schweiz in Wort, Bild und Ton

Die Wallfahrtskirche Maria Licht (Nossaduna dalla Glisch), Trun

Wallfahrtskirche "Maria Licht", "Nossaduna dalla Glisch", TrunDie Wallfahrtskirche „Maria zum Licht“ (Nossaduna dalla Glisch) liegt auf der Terrasse von Acladira, nordwestlich über dem Hauptort Trun. Nach Süden und Westen ist das steil ansteigende Gelände um die Kirche durch eiine hohe Mauer gesichert. Die frühgeschichtliche Forschung vermutet, dass hier ehemals die Opferstätte eines Feuer- und Steinkultes gelegen hat. Ein großer erratischer Stein (Findling) soll bis in die heutige Zeit an diesen vorchristlichen Steinkult erinnert haben.

Die Wallfahrtskirche ist eigentlich Mariä Heimsuchung geweiht, wurde aber bereits 1666 mit dem Namen „Beata Virgo Lucis Montanae“, „Heilige Jungfrau vom Höhenlicht“, erwähnt. Dieser eher seltene Titel Mariens bürgerte sich bei der romanisch sprechenden Bevölkerung ein als „Nossadunna dalla Glisch“. In deutschsprachigen Gebieten ist der Ausdruck „Maria Licht“ gebräuchlich.

Das erste Kirchlein in Acladira war dem hl. Sebastian geweiht. Als dieses baufällig geworden war, soll der damalige Pfarrer durch eine göttliche Botschaft dazu veranlasst worden sein, die neue Kapelle Maria zu weihen. Im Archiv der Kirchgemeinde Trun wird vermerkt, dass in der Nacht nach der Grundsteinlegung am 27. April 1663 der ganze Hügel von einem hellen Licht erleuchtet worden sei. Am 4. Juli 1672 konnte der Neubau durch Bischof Ulrich VI. de Mont zu ehren der St. Maria zum Licht geweiht werden. Die Namensgebung der Truner Wallfahrtskirrche steht somit in direktem Zusammenhang mit der wundersamen Lichterscheinung nach der Grundsteinlegung durch den Pfarrer Johannes de Turre (Latour).

Gnadenbild "Maria Licht", TrunDer Bau bestand zu dieser Zeit nur aus dem Chor und dem heutigen Vorchor, der damals als Schiff diente. Der Vorchor war mit gotischen Rippengewölben versehen, acht Spitzbogenfenster sorgten für die Belichtung des Altarhauses. Diesen für das 17. Jahrhundert veralteten Bauformen, die eventuell Anklänge an die vorhergehende Sebatianskapelle sind, wurde am Außenbau durch eingeritzte Blendbögen ein zeitgemäßeres Aussehen verliehen. Ein Nachwirken gotisierender Architekturdetails kann im Kirchenbau Graubündes mehfach bis ins Barock beobachtet werden. Schon kurz nach Fertigstellung der Marienkapelle setzte eine große Wallfahrtsbewegung ein, die bereits im Jahre 1681 zu einer Erweiterung der Kapelle führte. Der Abt des Klosters Disentis, Adalbert II. (1655-96), legte im Rahmen einer Pontifikalmesse den ersten Stein zu dem Erweiterungsbau, die Weihe des Gotteshauses mit vier neuen Altären erfolgte 1684. Als Baumeister der Kiche ist Christian Netg („Nichius“, auch Nigg) belegt, dem bei dem zweiten Bauabschnitt der Disentiser Konventuale P. Carolus Decurtins hilfreich zur Seite stand. An die bestehenden Bauteile wurde ein breites Langhaus angefügt. Auch der Glockenturm und die Sakristei an der Nordseite kamen wahrscheinlich bei diesen Umbaumaßnahmen hinzu, was eine Vermauerung zweier Fenster im Vorchor zur Folge hatte.

In den folgenden Jahren wurden die Gewölbe barockiesiert und mit einer aufwendigen Stuckierung mit Ranken, Roll- und Blattwerk gschmückt. Die vier Seitenaltäre erhielten im Rahmen dieser Barockisierung ihre heutigen Ädikularahmungen, während der Hochaltar erst 1750 durch einen neuen Aufbau ersetzt wurde.

1687-90 wurde der gesamte Innenraum durch P. Fridolin Eggert aus Disentis mit Malereien reich ausgestattet. P. Fridolin Eggert (gest. 1715) war im Bündner Oberland ein gesuchter Kirchenmaler der Barockzeit. Die Deckengemälde des Langhauses fielen in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember 1948 einem Kirchenbrand zum Opfer, der das gesamte Dach mit der Holztonnendecke vernichtete. Die Bemalungen konnten von dem Restaurator Karl Haaga aus Rorschach nach alten Fotografien originalgetreu rekonstruiert werden. Damals wurde auch die Seitenkapelle an der nördlichen Langhauswand angefügt.

Siehe ferner:

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9. September 2010 - Posted by | Wallfahrtskapellen, Wallfahrtsorte | , , , , , ,

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